Gruseln auf Bayrisch

In der Gemeinde Brand verbindet man die „Kirwa“ im Oktober schon immer mit der Theatergruppe Brand. Von Anfang kümmerte sich ihr Gründer Tobias Reiß nicht nur um das Bühnengeschehen, er sorgte auch dafür, dass sich die Theatergruppe um das Wiederbeleben alter Bräuche bemühte und das mit Erfolg. Da zogen dann „Kirwa-Boum“ und „Kirwa-Moidl“ durchs Dorf, wobei sich das Erscheinungsbild Jahr für Jahr änderte. Nicht nur der obligatorische Leiterwagen war Teil des Zuges. Immer größer wurde die Zahl der mitgeschobenen Kinderwagen. Später wurde diese zugunsten Lederhosen tragender Kinder wieder kleiner und schließlich trugen auch sie Dirndl und Lederhosen in Jugend- und Erwachsenen-Größen. Jugendarbeit wie sie besser und intensiver gar nicht sein kann; und diese Konsequent zahlt sich nun aus. Der Schauspieler-Nachwuchs ist da, die Theatergruppe ist ein engagierter und rühriger Verein und schön langsam übernehmen die, die damals in den Kinderwagen lagen, das Ruder. Vorsitzender Jochen Erhardt kann „seine“ jungen Schauspieler gar nicht genug loben. Sie sind interessiert, willig, engagiert und konzentriert; „ein schönes Arbeiten mit ihnen. Manches Mal leichter als mit den Großen; die jungen hören zu und lassen sich was sagen!“ Den Eltern ist das sehr recht, wenn die Kinder und Jugendlichen eine Gelegenheit zu wertvoller Freizeitbeschäftigung haben und eine Möglichkeit, sich kreativ zu betätigen. Es ist ja kein geringer Aufwand, wenn jemand auf die Bühne will: Rollen erlesen und lernen, Proben besuchen; Maske und Kostüme anpassen lassen und vieles mehr. Gab es vor einigen Jahren schon einmal ein Oper-Air mit dem Nachwuchs, verzichteten die Großen in diesem Jahr ganz auf die Bühne im Mehrzwecksaal und überließen sie Kindern und Jugendlichen, während sie selbst backstage agierten. In seiner Begrüßung steifte Vorsitzender Jochen Erhardt auch die neue Lichttechnik im Saal, dankte Technikern, Tontechnikern, Bühnenbilderstellern und Maskenbildnern, die bis zum letzten Tag wirklich ganze Arbeit geleistet hatten. Die Akzeptanz durch das Publikum war keineswegs geringer als sonst. Schon lange vor Beginn des Stücks „Der bayerische Vampir“ konnte man für alle Termine lesen: „Leider ausverkauft!“ Entsprechend vollbesetzt war der Mehrzwecksaal bei der Premiere. Aus nah und fern kommen die Freunde des Laienschauspiels nach Brand und fragen oft schon im Spätherbst nach dem neuen Programm und nach dem Beginn des Kartenvorverkaufs.
Um einen bayerischen Vampir ging es dieses Mal und schon der Titel verrät, dass die Theatergruppe das bekannte Klischee verlassen hatte, und auch die Anforderungen an die Schauspielerinnen und Schauspieler war anders: Ein bayerischer Vampir und alle, die darum herum agieren, sprechen bayerisch, in Brand noch einmal den regionalen Gegebenheiten angepasst: also oberpfälzisch! Das können nun viele gar nicht mehr und das bedeutete, Extra-Stunden zum Erlernen des Textes in oberpfälzer Mundart. Feststellen konnte man dies nur ganz vereinzelt; gut gelungen also. Und da gab es noch ein Problem: Jochen Erhardt hatte mehr Schauspieler als das Stück Rollen hergab. Die Lösung hielt ihn und seine Frau erst einmal viele Stunden am Schreibtisch fest: das Stück leicht verändern, Rollen dazu erfinden und anpassen! Am Schluss waren alle dabei und das war wichtig, um keinen jungen Schauspieler enttäuschen zu müssen. Vier Dorfratschen traten immer wieder zwischen den acht Szenen auf, eine davon besonders „gscheit und gesprächig“ und eine verriet gar, dass sie aus der Nachbarortschaft stammte, was die „Ördbörtortn“ verriet. In köstlichen kurzen Dialogen schafften sie die Verbindung zwischen den Szenen, auch zu den Schauspielern. Sie wurden als gewinnbringende, sehr unterhaltsame Einlagen empfunden. Etwas ungewöhnlich, wenn Kinder in solche Erwachsenrollen schlüpfen, aber wenn sie es so überzeugend machen, warum nicht! Hatten die ersten Szenen Personen und Handlung vorgestellt, ging es gruselig weiter.
In einem ruhigen Ort in Niederbayern um 1900 passiert Jahr und Tag nichts Aufregendes. Zumindest meint man das. Doch plötzlich stirbt Lucas, ein Außenseiter im Dorf, ohne seinem besten Freund Michi zu seiner geliebten Lisa verholfen zu haben. Die Beerdigung lässt es den Besuchern kalt über den Rücken laufen. Mit entsprechender Musik zieht der Leichenzug durch den Saal zu Bühne und dort findet das Ritual statt. Pfarrer, Ministranten und Dorfbewohner sind überaus traurig. Schauspielerisch ein Highlight an diesem Abend. Vor allem Lisa kann Lucas` Tod nur schwer verkraften. Das sollte sich ändern! Bald entsteigt Lucas dem schwarzen Sarg und wird vorerst nicht mehr gesehen. Die Dorfbevölkerung stellt fest, dass ein Vampir sein Unwesen treibt, für Menschen ungefährlich, ihm genügt das Blut von Hühnern und Katzen. Herrlich! Solche Szenen, die man nur in hochdeutscher Spreche kennt, einmal im Dialekt zu erleben. Verbunden mit überzeugender Darstellung löst das immer wieder Lachsalven aus; etwa als Lucas, der Vampir von einem alkoholisierten Opfer ablässt und dieses feststellt: „Is ewer da Teifl a nu knaschig!“ Lucas treibt weiter sein Unwesen im Wald, will durch Beteuerung seines für Menschen ungefährlichen Verhaltens wieder unter die Leute. Doch trauen ihm vorerst nicht. Um nun seinem Freund Michi doch noch zu dessen Glück verhelfen zu können, muss sich Lucas, der bayerische Vampir, etwas Besonderes einfallen lassen, denn die Zeit drängt. Die Dorfbewohner wollen den Vampir um jeden Preis loswerden. Es muss zu einem guten Ende führen, wenn ein Vampir ein Bayer ist und das auch noch im Volksschauspiel. Lucas gelingt das Vorhaben und schon wird er von der Frau, die ihn einst gebissen hat – auf der Bühne taucht sie nie auf – gerufen und beide ziehen sich auf den Schneeberg zurück. Und das Dorf hat wieder seine Ruhe! Ein überzeugender Abend mit einigen großartigen schauspielerischen Leistungen ging zu Ende und das Publikum dankte mit kräftigem Applaus! Ein Besucher sprach`s aus: „Einer erfolgreichen Zukunft des Laienschauspiels in Brand seht nichts im Wege!

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