Bericht von Bertram Nold
Mit einer außergewöhnlichen Inszenierung des Märchens „Schneewittchen“ eröffnete die Theatergruppe Brand unter großem Jubel die Veranstalungsreihe zum 40-jährigen Bestehen.
Das Wort „Jubiläum“ ist untrennbar mit „Jubel“ verbunden. Genau dieser erfüllte die mitreißende Auftaktveranstaltung zum 40-jährigen Bestehen der Theatergruppe Brand. Mit Witz, Detailverliebtheit und überraschenden Einfällen brachten die engagierten Laienschauspieler das Märchen „Schneewittchen“ auf die Bühne; ein generationenübergreifendes Herzensprojekt, an dem Kinder und junge Erwachsene mit bemerkenswerter Hingabe mitwirkten. Wer glaubte, ein klassisches Märchen zu erleben, wurde rasch eines Besseren belehrt. Diese Inszenierung sprengte jede klischeehafte Erwartung. Mit geschickten Handgriffen verwandelten die Helfer Sprecherin Melanie Graf in eine verschmitzte, auch leicht kritische Märchenoma. Auf einem einladenden, gemütlichen Sofa thronend, fungierte sie nicht nur als feinfühlige Erzählerin, sondern auch als originelle, mitunter ins Geschehen eingreifende Souffleuse. Elegant agierende, schwarz gekleidete Bühnenhelfer mit weißen Handschuhen sorgten für reibungslose, fast lautlose Umbauten und unterstrichen die durchdachte Bühnenarchitektur. Bald entfaltete sich die vielfältige Geschichte rund um eine ungewöhnliche „Patchworkfamilie“: Schneewittchen, seine Mutter und die herrschsüchtige, von Eitelkeit getriebene Königin, die verzweifelt auf die schmeichelhafte Bestätigung ihres Spiegels hofft und doch nur schonungslose Wahrheiten erhält.
Die Inszenierung bestach durch ihre Raffinesse, wurde von einem Ensemble getragen, das mit spürbarer Spielfreude und Ausdruckskraft begeisterte. Kaum verstummte eine Lachsalve, folgte bereits die nächste; die Taschentücher wurden erst gar nicht mehr weggesteckt. Es war ein Abend voller Heiterkeit und Unterhaltung. Als zartes, anmutiges und liebenswertes Schneewittchen überzeugte Lilli Glowka mit natürlicher Ausstrahlung.
Begeisterungsstürme
Tosenden Applaus erntete auch Michael Werner als scharfzüngiger, entwaffnend ehrlicher Spiegel, dessen pointierte Antworten und Gesten wahre Begeisterungsstürme auslösten.
Einen eindrucksvollen Kontrast dazu bildete die imposante Erscheinung der Stiefmutter (Maria Schindler). Optisch einschüchternd, charismatisch dominant und mit eiskalter Präsenz beherrschte sie die Bühne. Ihr triumphierendes, giftiges Lachen angesichts von Schneewittchens vermeintlichem Tod ließ das Publikum erschaudern. Doch Hilfe naht, und das gleich in doppelter, herrlich sympathischer Form: Eine wunderbar überzeichnete, leicht tollpatschige Fee (Maria Söllner) sorgte mit ihren eher zufällig gelingenden Zauberkünsten für amüsante Momente. Schließlich betreten die sieben liebenswerten Zwerge die Bühne, die auf den überraschenden Besuch zunächst irritiert reagieren: „Igitt, ein Mädchen!“
Happy End liegt in der Luft
Bald jedoch arrangieren sie sich mit ihrer unerwarteten Mitbewohnerin. Ein fehlender Prinz (Daniel Moller), geschniegelt, höchst narzisstisch und versnobt, komplettiert schließlich das Ensemble, auch wenn ihm zunächst mit berechtigter Skepsis begegnet wird. Selbst der berühmte Apfel (Eva Scherm), seit Adam und Eva Symbol verhängnisvoller Verlockung, rollt auf spektakuläre Weise in die Handlung hinein. Am Ende liegt das Happy End förmlich in der Luft. Schneewittchen erhebt sich, umringt von den treuen Zwergen, aus seinem gläsernen Sarg, während die zur Strafe erstarrte Königin von ihrem Bann erlöst wird. Tosender Applaus erfüllt den Raum.
Er ist Ausdruck der Begeisterung für eine gelungene Inszenierung unter der Regie von Veronika Söllner und Jochen Erhardt. Einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg leisteten auch die abwechslungsreichen Gesangseinlagen sowie die prachtvoll gestalteten Kostüme, die das Bühnenbild ergänzten. Mit einem verheißungsvollen Lächeln hatte Melanie Graf mit Blick in die Zukunft der Theatergruppe zu Beginn verkündet: „Das Märchen geht weiter!“ Es war ein Wunsch, den das begeisterte Publikum am Ende gern teilte.






















































































